Busreise nach Ostpreußen mit Erhard und Luise Wolfram (25.7. -4.8.2019)

Bis zum Sommer 2017 hatten meine Frau und ich in unserem Ruhestand 12 Busreisen nach Ostpreußen geleitet. Damit wollten wir aus Altersgründen diesen Einsatz beenden. Da jedoch in diesem Jahr „20 Jahre „Auferstehungskirche“ in Kaliningrad gefeiert werden kann, haben wir uns noch mal zur Leitung einer Busreise entschlossen.


Gruppe Unsere Reisegruppe vor der „Auferstehungskirche“

Am 25. Juli starteten wir von Hannover mit 29 Personen, 5 weitere stiegen in Berlin ein. Unsere Teilnehmer kamen aus der gesamten BRD, davon 2 Herren aus den Niederlanden. Besonders freute uns, dass auch einige jüngere Teilnehmer dabei waren. Mehrfach waren wir nur mit Ruheständlern unterwegs. Doch war es immer unser Anliegen, bei Vorträgen und Reisen möglichst auch jüngere Personen für das schöne und geschichtsträchtige Ostpreußen zu interessieren. Wichtig ist uns: Eindrücke von der Schönheit und der reichen Geschichte Ostpreußens zu zeigen, dabei aber auch an die bitteren Kriegserfahrungen zu erinnern und Kontakte zu Menschen zu vermitteln, die heute im früheren Ostpreußen leben. Dabei sind uns besonders wichtig: Verbindungen zu evangelischen Gemeinden und diakonischen Einrichtungen.

Stadt

Es gab auf unserer Reise folgende Übernachtungen mit Halbpension in guten Mittelklasse Hotels: 1 x Danzig, 2 x Kaliningrad (Königsberg), 3 x Swetlogorsk (Rauschen), 2 x Gussev (Gumbinnen), 1 x Mragowo (Sensburg) und 1 x Dlubi (am See) kurz vor Gorzóv WLKP (Landsberg).

Danzig ist eine Touristenstadt, die eine großartige Aufbauleistung der Polen zeigt. Über Fromborg (Frauenburg) ging es weiter zur polnisch / russischen Grenze „Mamonowo 1“.

Stadt2
Stadthalle

Von dort etwa 30 km bis Kaliningrad (Königsberg). Die Stadt hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt: Viele Straßen sind erneuert oder saniert, neue Pregelbrücke, Autobahn zur Ostsee und nach Insterburg, moderne Kaufhäuser, Sanierung des Oberteiches und der Zwillingsteiche, Luisenpark, Pregelschifffahrt, Wiederaufbau des Domes (mit der großen Schuke-Orgel und Kant-Museum) und der Synagoge, Orth. Christ-Erlöser-Kathedrale und Taufkirche (in der Oblast Kaliningrad gibt es inzwischen ca. 50 orth. Kirchen).Kirche2

Durch Wegzug nach Deutschland sind die meisten ev. Gemeinden spürbar kleiner geworden. Hier die Kirche in Gwardeiskoje (Mühlhausen), wo Margarethe, die jüngste Tochter Martin Luthers, verheiratet war (s. GEO-Kirchenprospekt).

Kirche
Kirche3 Kirche4

Am Sonntag (28.7.) haben wir um 11 Uhr den Gottesdienst in der „Auferstehungskirche“ besucht. Wegen des Geburtstages von Propst Igor Ronge hielt Pastor Michelis den Gottesdienst. Eine gute Predigt; dabei ist seine Sicherheit in beiden Sprachen Klasse!

Kaffee2

Eine wichtige Unterstützung des Gottesdienstes erfolgt durch den Chor, normalerweise singt er jeden Sonntag! Nach dem Gottesdienst gab es ein gutes Mittagessen mit Vertretern der Gemeinde, Chor und Frauenarbeit.

Menschen Chor

Besonders sehenswert sind der schöne Badestrand in Jantarny (Palmnicken) und der dortige Bernsteinabbau. Die bekannten Seebäder Swetlogorsk (Rauschen) und Zelenogradsk (Cranz) lohnen einen Besuch. Leider gibt es in beiden Orten nur noch wenig Strand.

Verkehr Kirche-Bild Stadt3

In Cranz hat sogar die Ostsee im letzten Winter ein Stück der Promenade mit Geländer weggerissen. Nötig ist die Buhnenerneuerung, um die Kraft der See zu brechen und den Strand zu schützen.

Unsere Gruppe hat in der Nähe von Baltisk (Pillau) das Kinderdorf „Salem“ und die Drogenhilfe Schatrowo“ (bei Cranz) besucht. Beide Einrichtungen zeugen von praktischer Nächstenliebe. Bewohner der Drogenhilfe treffen sich immer am Sonntagnachmittag in der „Auferstehungs-kirche“.

Haus2Haus1

Am 31.7. ging unsere Reise in Richtung Osten. Kurz hinter der Stadtgrenze von Kaliningrad besuchten wir die Katharinenkirche. Sie hatte vor dem Kriege einmalige Fresken in doppelter Reihe. Zum Erhalt der Kirche hatte sich ein deutscher Förderverein gebildet, der schon viel investiert hatte, um die Kirche und einen Großteil der Fresken zu retten Durch ein Gesetz wurden jedoch 2010 etliche Kirchen an die Orth. Kirche übergeben, auch die Katharinen-kirche. Inzwischen ist sie schön umgestaltet, leider ist nur eine kleine Fläche der Fresken geblieben. Zum Umfeld der Kirche gehört inzwischen ein kleines Kloster. Von der Anhöhe gibt es einen schönen Blick auf die Pregelniederung.

Kirche5

Unsere Reise ging weiter zur Kirchenruine in Snamensk (Wehlau). Die Kirche war gerade offen für Arbeiter, die in und um die Kirche den Rasen mähten. Eindrücklich für uns in dieser Kulisse das von Herrn Ferner vorgetragene Gedicht seiner Patentante Agnes Miegel „Die Frauen von Nidden“.Ein paar Kilometer weiter kamen wir zum ev. Gemeindehaus in Bolschaja Poljana (Paterswalde). Dort empfing uns die Pastorin Elena Kurmyshova mit Mitarbeiterinnen und Kindern. Sie hatte eine leckere Hühnersuppe vorbereitet und die Brot-Firma Maybach spendierte zum Nachtisch leckeren Kuchen. Zu unserer Überraschung trafen wir hier auch den Gemeindegründer Alexander Maybach, der jetzt in Delmenhorst wohnt.

Kind

Nach einer Andacht und einem munteren Kinderbeitrag ging es weiter nach Tschernjakowsk (Insterburg). Vertreter der Gemeinde empfingen uns zu einer Kaffeerunde. Die neue Vorsitzende, Frau Flegel, scheint frischen Wind in die Gemeinde zu bringen. - Die Bauruine ist inzwischen verkauft; die Gemeinde trifft sich nach wie vor in der Gemeindewohnung.

Kaffee Gemeinde
Kunst
Turm

Mit dem „Kaiserhof“ in Gussev (Gumbinnen) war das Reiseziel des Tages erreicht. Zum Abschluss des Tages erfreute uns der Gemeindechor mit einem Konzert in der „Salzburger Kirche“. Der 1.8. begann mit einem Besuch des beachtlichen Stadtmuseums. Danach sahen wir in der Friedrich-Schule das beeindruckende Wandgemälde vom Empfang der vertriebenen Salzburger durch König Friedrich I.

Singen Stehend

Dann lud uns Alexander Michel mit seinen Mitarbeiterinnen zu einem festlichen Picknick am Vistedter See ein. Eine wunderschöne Badestelle an der russischen Grenze zu Litauen! Noch einmal überraschte uns das Versorgungsteam mit Kaffee und Kuchen bei einem Kirchenhalt. Letzte Station des Ausflugs war das Standbild des berühmten „Tempelhüters“, dem Superhengst vor dem Stallmeisterhaus in Trakehnen. Am 2.8. erfolgte die Rückreise über den Grenzübergang Goldap.

Feier

Eine polnische Tages-Reiseleiterin führte uns durch das schöne Masuren. In der Nähe der „Wolfsschanze“ machten wir Halt bei einem Haus, wo die Großmutter einer Teilnehmerin gewohnt hatte. Für unsere Mitreisende der wichtigste Grund zur Fahrtteilnahme. Von dort ging es nach Ketrzyn (Rastenburg) zu der kleinen Kirche, an der Bischof Hause tätig ist. Ich kenne den neuen Bischof seit seiner Vikarszeit.

See
KircheIN Haus4

Die benachbarte große ev. Kirche gehört heute der Kath. Kirche. Von dort ging es weiter zur bekannten Klosterkirche „Heiligelinde“. Eine kunstvoll ausgestattete Kirche, deren besonderes Glanzstück ist die Orgel mit ihren beweglichen Musikanten. Der touristische Andrang ist gewaltig. Der krönende Abschluss des Tages war in Magrowo (Sensburg) unser Quartier im herrlichen „Hotel Panoramic“, direkt am See. Am nächsten Tag war unsere erste Station die schöne Kirche in Sorkwity (Sorkwitten) auch direkt am See. Seit ca. 35 Jahren ist hier Pfr. Mutschmann tätig. Er hat neben seiner Gemeindearbeit ein vorbildliches Begegnungszentrum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschaffen. Im dazugehörigen Gelände gibt mancherlei Bade- und Spielmöglichkeiten. Hier haben wir mit Kindern und Jugendlichen aus der Oblast Kaliningrad etliche Sommerfreizeiten durchgeführt. 1995 habe ich auch den heutigen Bischof Hause kennengelernt, der jetzt für die ev. Gemeinden in Masuren zuständig ist. Aus Zeitgründen haben wir den geplanten Besuch der ev. Kirche in Olsztyn (Allenstein) ausgelassen. Die Kirche liegt in der Altstadt, direkt am Markt. Noch einmal gab es für uns in Dlubi eine schöne Unterkunft direkt am See. Im „Hotel Wodnik“, kurz vor dem früheren Landsberg an der Warthe. Frau Zabel, die Chefin des Hotels, kam persönlich zur Begrüßung an unseren Bus. Der 4.8.2019 war unser letzter Reisetag. Am S-Bahnhof in Berlin-Schönefeld verließen uns die ersten Teilnehmer. Von dort ging es weiter nach Hannover. Gegen 18 Uhr erreichten wir den zentralen Busbahnhof (ZOB). Die meisten Teilnehmer fuhren noch weiter zu ihrem Zuhause, nur wenige übernachteten noch einmal hier. Viele Eindrücke in Wort und Bild werden nachklingen. Ostpreußen wird für unsere Teilnehmer unvergessen bleiben.

Haus3 Kirche6

Erhard Wolfram/ Anja Hoppe